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Alte Feuerwache bekommt Turmlaterne - GEA vom 01.02.2012


Alte Feuerwache
 - Turmlaterne nach historischem Vorbild: Gestern kam sie in spektakulärem Höhenflug aufs Dach 

Alte Feuerwache: Reutlingern geht ein Licht auf

Von Ulrike Glage

REUTLINGEN. Sanierung und Umbau der Feuerwache sind weitgehend abgeschlossen - fehlte nur noch das i-Tüpfelchen. Gestern Vormittag bekam das altehrwürdige Gebäude eins aufs Dach: In einer spektakulären Aktion wurde die nach historischem Vorbild gefertigte Turmlaterne auf die Spitze gehievt. Dafür brauchte es einen etwa 60 Meter hohen Kran nebst Hubsteiger, ein Spezial-Gerüst und sogar die kurzfristige Sperrung einer Spur der Lederstraße.

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Dachlaterne am Haken: In einer aufwendigen Aktion bekam die Alte Feuerwache gestern ihr »Sahnehäubchen«. FOTO: PR
Auf historischen Fotos ist die Original-Turmlaterne noch zu bewundern: ein kleiner Aufsatz auf dem mächtigen Giebel der 1898 erbauten Feuerwache. Ob er als Licht- oder Glockenturm diente, weiß heute niemand mehr so genau. Bekannt ist nur, dass die zentralen Feuerwehrmelder von einst die Glocken der Marienkirche oder des Tübinger Turms waren. Deren Geläut in verschiedenen Tonarten kündete davon, wo der Brand ausgebrochen war und welche Ausmaße er hatte. »Für was die Turmlaterne genutzt wurde, ist nicht ganz klar«, sagt deshalb Dr. Claudius Rall vom Privatinvestor Dr. Rall & Söhne, »aber wir machen ein Licht rein.« Die Lampe kann bei Dunkelheit eingeschaltet werden. 
»Das wirkte wie abgeschnitten. Da hat man gemerkt, dass etwas fehlt«
 

Die alte Turmlaterne hielt es bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf ihrem luftigen Standort. Dann wurde sie abgebaut - warum auch immer. Selbst Insider kennen die Gründe nicht, vermuten aber, das »Türmle« sei baufällig gewesen. In den Siebzigerjahren bekam die Feuerwache dann eine kleine Funkantenne aufs Dach, mit der Einrichtung der Feuerwehrleitstelle in den 80ern dann eine noch größere Antenne. Die wurde vor einem halben Jahr abgebaut und dem DRK-Katastrophenzentrum »vermacht«. 

Jetzt, nach über 50 Jahren, beschert Investor Rall der Turmlaterne also eine Renaissance. »Das wirkte wie abgeschnitten«, begründet Claudius Rall die Investition, »da hat man gemerkt, dass etwas fehlt.« Mit einem »irren Aufwand« ließ das Unternehmen deshalb das etwa fünf Meter hohe Türmchen nachbilden. 

Anhand historischer Fotos rekonstruierte Zimmermeister Horst Kern originalgetreu den Aufsatz samt Blechspitze. Ein Glücksfall, dass er die von Dachdeckermeister Willy Werner - auch er ist bei der Sanierung der Feuerwache im Einsatz - nach altem Muster für die Stadt gefertigten, dunkel gebrannten Ziegel verwenden konnte. 

Kern ist Spezialist für knifflige Zimmerarbeiten. Die Herausforderung, betont er, sei diesmal aber die aufwendige Logistik gewesen. Beispiel Gerüst. Das wird normalerweise von unten nach oben hochgezogen. Im Fall der Alten Feuerwache musste es aber hoch droben an der Turmspitze mithilfe eines Riesenkrans und Hubsteigers montiert sowie mit speziellen Auflagern befestigt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde die Turmspitze vorher eigens statisch überarbeitet, berichtet Bauleiter Michael Büttner von »Walk Architekten«. Auch fürs Gerüst brauchte es aufwendige statische Berechnungen. Und ohne Gesundheitszeugnis durfte keiner der Handwerker in die schwindelerregende Höhe. »Fünf Monate Vorbereitung hat das alles gebraucht«, so Büttner. 

Das Häubchen, das seit gestern den Turm ziert - Kern nennt es passend »Sahnehäubchen« - wurde vormontiert und wartete schon seit Wochen geduldig am Boden auf seine Luftreise. Auch der Stahl-Fundamentkranz, auf dem gestern die Turmlaterne aufgeschraubt wurde, war schon vorher fix und fertig und musste »nur« noch auf den etwa 30 Meter hohen Feuerwachen-Turm gehievt werden. 

Weil das »Türmle« nicht mehr im Bestand war, hätte Investor Rall den Ur-Zustand bei der mit dem Denkmalamt abgestimmten Sanierung der Alten Feuerwache auch nicht wiederherstellen müssen. Man habe aber, begründet Rall die Freiwilligen-Aktion, weder Kosten noch Mühen gescheut - ganz bewusst. »Wenn wir etwas machen, dann gescheit. Es soll ja die nächsten 100 Jahre halten.« (GEA)