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So wenig Unfalltote wie nie - GEA online vom 08.02.2012

Polizeimeldung

So wenig Unfalltote wie nie zuvor im Kreis

REUTLINGEN. Sieben Unfalltote, die geringste Anzahl seit Beginn der statistischen Erfassung von Verkehrsunfällen im Kreis Reutlingen vor fast 40 Jahren sowie ein leichter Rückgang der Gesamtunfallzahlen, dafür aber ein geringfügiger Anstieg der Verkehrsunfälle mit Verletzten - das ist das wesentliche Ergebnis der Verkehrsunfallbilanz der Polizei im Jahr 2011 im Landkreis Reutlingen.

 

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Völlig zerstört wurde das Auto einer 27-jährigen Münsingerin beim Zusammenstoß mit einem Lastzug. FOTO: Christine Dewald
 
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei insgesamt 7.579 Verkehrsunfälle im Landkreis Reutlingen, ein Minus von 67 Unfällen gegenüber dem Jahr 2010.

Während im Jahr 2009 neun Menschen starben und im Jahr 2010 wieder 13 Unfalltote zu beklagen waren, verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr einen historischen Tiefstand von sieben Verkehrsteilnehmern, die ihr Leben verloren. Bei den tödlich Verletzten handelte es sich ausschließlich um Männer und zwar um fünf Autofahrer, einen Leichtkraftradfahrer und einen Lkw-Fahrer.

Die Zahl der Schwerverletzten ist im vergangenen Jahr um sechs von 216 auf 222 angestiegen. Trotz dieser leichten Zunahme liegt die Zahl immer noch unter dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre mit 228 schwer Verletzten.

Auch die Leichtverletzten sind um vier von 999 im Jahr 2010 auf insgesamt 1003 Verletzte leicht angestiegen.

Die Hauptunfallursachen sind seit Jahren nahezu unverändert. Bei 862 Unfällen lag ein Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren vor, gefolgt von 544 Vorfahrtsunfällen. Insgesamt 449 Unfälle passierten wegen nicht angepasster Geschwindigkeit und Fehler beim Überholen. Auf Alkohol und Drogen waren 157 Verkehrsunfälle zurückzuführen.

Die Entwicklung der Alkoholunfälle im Landkreis Reutlingen ist nach wie vor rückläufig, wobei jeder Unfall unter Alkoholeinfluss immer noch einer zu viel ist. So kann man seit 16 Jahren von einer Halbierung der Alkoholunfälle von 264 Unfällen im Jahr 1995 auf nunmehr 133 Verkehrsunfälle im Jahr 2011 sprechen. Im Vergleich zum Jahr 2010 war allerdings nur ein Rückgang um einen einzigen Unfall zu verzeichnen. Bei Unfällen mit Personenschäden spielte Alkohol bei 43 Unfällen (Vorjahr 49) seine unheilvolle Rolle.

Einen erheblichen Rückgang gab es bei den Drogenunfällen. Ereigneten sich im Jahr 2010 noch zehn Unfälle unter Drogeneinfluss, waren es letztes Jahr nur fünf Unfälle, bei denen allerdings ein Schwer- und drei Leichtverletzte zu beklagen waren.

Junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 24 Jahren waren 2011 in 776 Unfälle verwickelt, 36 mehr als im Vorjahr. Dieser Anstieg dürfte auch darin begründet sein, dass sich die statistische Erfassung im letzten Jahr geändert hat und nunmehr auch verunglückte Fußgänger und Fahrradfahrer erfasst werden, was früher nicht der Fall war. Diese jungen Verkehrsteilnehmer waren wie auch im Jahr 2010 im Vergleich zum Bevölkerungsanteil, der bei etwa 8% liegt, mit 25% und sogar rund 32% bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden wieder überproportional häufig am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt. Positiv zu werten sind hingegen die Unfallfolgen, da bei diesen Unfällen insgesamt 12 Personen weniger verletzt wurden. Hauptunfallursachen bei den jungen Erwachsenen waren wieder einmal nicht angepasste Geschwindigkeit und ungenügender Sicherheitsabstand.

Die Gesamtentwicklung der Unfälle mit Kindern bis 13 Jahre ist nicht nur im Vergleich zum Vorjahr, sondern auch in der Langzeitbetrachtung positiv verlaufen. Hier gingen die Unfallzahlen von 96 im Jahr 2010 auf 89 im vergangenen Jahr, also um fast 7,5 % zurück.

Im Gegensatz zu 2010, als ein 12-jähriger Junge tödlich verletzt wurde, wurde im vergangenen Jahr kein Kind Opfer im Straßenverkehr im Landkreis. Auch die Gesamtbilanz verletzter Kinder ging um 15 % auf 85 Verletzte zurück. Erfreulich ist hierbei insbesondere der starke Rückgang bei den schwer verletzten Kindern. Hier ging die Zahl im letzten Jahr um 13 auf insgesamt sechs schwer verletzte Kinder zurück.

Dagegen ist die Zahl der so genannten Schulwegunfälle von Kindern im Alter zwischen sechs und dreizehn Jahren leider von zwölf im Jahr 2010 auf nunmehr 19 Unfälle angestiegen. Dieser Anstieg relativiert sich jedoch im Langzeitvergleich, der in den vergangenen zehn Jahren einen Mittelwert von 18 Schulwegunfällen im Jahr ausweist.

Die Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fußgängern sind im vergangenen Jahr deutlich angestiegen und zwar um 16 Unfälle (mehr als 19%) auf nunmehr 99 Verkehrsunfälle. Im Gegensatz zum Jahr 2010, als zwei Fußgänger ums Leben kamen, wurde im Jahr 2011 kein Fußgänger tödlich verletzt.

Schwere Verletzungen trugen hingegen 20 Fußgänger davon, einer mehr als im Vorjahr. Leichte Verletzungen erlitten 69 Fußgänger.

Bei den Radfahrunfällen gab es im Jahr 2011 ebenfalls einen deutlichen Anstieg um 43 Unfälle (+ 20%) auf insgesamt 257 Verkehrsunfälle. Auch die Anzahl der Verletzten nahm um 29 auf 221 verletzte Radler zu, was einem Plus von 15% entspricht. Die Zahl der schwer verletzten Fahrradfahrer erhöhte sich um fünf auf 47, die der leicht verletzten Radler um 24 auf 174.

Auch die Anzahl der Unfälle mit motorisierten Zweiradfahrern ist im Jahr 2011 von 205 auf 225 Unfälle um knapp 10% angestiegen. Letztes Jahr wurde ein Zweiradfahrer getötet, während im Jahr 2010 drei Todesfälle zu beklagen waren. Außerdem verzeichnete die Polizei 54 Schwer- und 132 Leichtverletzte.

Mehr als die Hälfte aller Motorradunfälle (60 %) wurden im vergangenen Jahr von den Motorradfahrern selbst verursacht. Infolge nicht angepasster Geschwindigkeit oder Fehler der Kradfahrer beim Überholen geschahen 77% der von Motorradfahrern verursachten Unfälle.

Bei den Verkehrsunfallfluchten war im Jahr 2011 ein Anstieg um 108 auf nunmehr 1.491 Unfälle zu verzeichnen. Diese Anzahl der Unfälle mit Fahrerflucht liegt auch in der Langzeitbetrachtung von zehn Jahren deutlich über dem Mittelwert von 1.357 Unfällen.

Bei nicht weniger als 66 Unfällen machte sich gar ein Beteiligter aus dem Staub, ohne sich um Verletzte zu kümmern. Dies ist im Vergleich zum Jahr 2010 ein trauriger Anstieg um 13 Unfälle oder 24,5%.

Unfallflucht lohnt sich jedoch nicht: Obwohl es sich häufig um so genannte ?Parkrempler? in Tiefgaragen, Parkhäusern oder auf Parkplätzen mit zum Teil nur geringen Blechschäden handelt, konnte die Polizei 513 Verkehrsunfallfluchten aufklären, was einem Anteil von mehr als 34% entspricht. Bei den Unfallfluchten mit Personenschaden konnte auch dank der hierfür eigens bei der Reutlinger Verkehrspolizei eingerichteten speziellen Ermittlungsgruppe eine noch höhere Aufklärungsquote von 53% erzielt werden.

Bei den im Kreis durchgeführten Polizeikontrollen wurden im Jahr 2011 insgesamt 451 Fahrer ermittelt, die unter Alkoholeinwirkung standen. Davon waren 273 Fahrzeugführer mit einem Promillegehalt von 1,1 Promille und mehr absolut fahruntüchtig. In 152 Fällen beschlagnahmte die Polizei den Führerschein alkoholisierter Fahrer gleich an Ort und Stelle. Weitere 77 Fahrer wurden angezeigt, weil sie unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug steuerten.

Weiterhin mussten im vergangenen Jahr 2.488 Fahrzeugführer zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatten. Dies sind rund 25% mehr als noch im Vorjahr.

Die Polizei stellte außerdem 8.554 Temposünder fest, von denen 2.165 über 20 Stundenkilometer zu schnell unterwegs waren, was regelmäßig eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige und Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg zur Folge hatte. Auf 204 Raser kam zusätzlich auch noch ein zum Teil mehrmonatiges Fahrverbot zu. (pd)